Dachablaufwasserqualität
"Regenwassernutzung in privaten und öffentlichen Gebäuden - Qualitative Aspekte"

Schriftenreihe fbr 2
Martin Bullermann; Beate Klein 1996

Bemerkung:
Alle Dachmaterialien haben durch Verwitterung und Verschleiß nur eine begrenzte Lebensdauer, wobei der Substanzverlust durch Auslaugung basischer Substanzen, z.B. bei Betondachsteinen und Bitumen, zu vernachlässigen ist.
Die Abgabe basischer Substanzen nimmt mit zunehmenden Alter besonders bei Bitumen ab.
Ob dieser Alterungseffekt im Laufe der Jahre zum Stillstand kommt, weil alle basischen Substanzen ausgelaugt sind und sich so die positiven pH - Wert-Erhöhungen nicht mehr einstellen, bleibt unbeantwortet.

Mir zunehmendem Alter tritt auf vielen Dächern vermehrter Bewuchs auf, insbesondere bei flachen Dächern mit rauher Oberfläche des Dachmaterial (z.B. Betondachsteine). Dies sind vor allem Moose und Flechten, die in der Lage sind, z.B. Schwermetalle zu adsorbieren.

Unabhängig vom Material ist in Dachrinnen und vor Laubfängen mit der Ablagerung organischer Makroverunreinigungen und ihrer biogenen Zersetzung zu rechnen.

Generell werden glatte, witterungsbeständige Dachflächen für die Regenwassernutzung empfohlen:

geeignet:
Tonziegel, haben den geringsten Einfluss auf die Trockendeposition und das ablaufende Regenwasser
Schiefer; wie Tonziegel, jedoch chemische Reaktion des im Schiefer in geringen Mengen enthaltenen CaCO3 mit dem Regenwasser.
Betondachsteine, mit unterschiedlicher Bewertung:
Ablehnung von diesem Material, weil es chemisch nicht inert ist und durch die Abgabe alkalischer Stoffe (CaCO3) die Regenwasserqualität verändere...,
Zustimmung für dieses Material, weil durc die Abgabe von alkalischen Stoffen sich im Regenwasser eine Erhöhung des Ph - Wertes einstellen würde, der wiederum eine verstärkte Adsorption von Blei- und Cadmiumverbindungen bewirke...
Asbestzementdächer, Ablehnung ohne weitere Angabe von Gründen...;
Bitumenpappe, als Produkt aus Erdöl, wegen unangenehmen Geruchs und gelblicher Färbung des Dachablaufes, auch wegen der toxikologischen Bedenklichkeit abgelehnt.
Bei mit Kiesschüttungen versehenen Bitumendächern wurden vereinzelt eine milchige Trübung festgestellt.
Zum Schutz der Oberfläche werden Bitumenbahnen häufig mit einer Bestreuung versehen. Diese besteht alternativ aus Quarzsand, Schiefersplitt oder Talkum.
Im Schiefersplitt können, ebenso wie in den Bitumenbahnen selbst, basisch wirkende Stoffe bzw. Füllstoffe enthalten sein, die ähnlich wie bei den Betondachsteinen eine Erhöhung des Ph - Wertes im abfließenden Regenwasser und die damit verbundenen Adsorptionseigenschaften bewirken. Vor diesem Hintergrund ist Bitumen als Dachmaterial nicht auszuschließen.
Kunststoffe, Beurteilung über Eignung noch nicht abgeschlossen. Bei Kiesbelägen oder Grasbewuchs vermutlich ähnlich wie bei Bitumenpappe... 
Schilf-, Stroh- und reetbedeckte Dächer, werden von allen Fachautoren für die Regenwassergewinnung abgelehnt.

Dachrinnenmaterialien, die heute hauptsächlich eingesetzt werden, sind Titan-Zink-Legierungen, verzinkte Stahlbleche, Edelstahl Kupfer und Kunststoff.
Bei Dachrinnen und Fallrohren aus Zink können insbesondere bei niedrigen Ph - Werten des Regenwassers erhöhte Zinkkonzentrationen im Dachablaufwasser auftreten. In emissionsfernen Gebieten konnten selbst bei Untersuchungen an Zinkdächern keine nennenswerten Zinkgehalte gemessen werden.

Geographische Angaben
zur Wasserversorgung

Erdoberfläche: 510.065.600 km²
Erd - Bevölkerungswachstum:
im Jahr 1650: 500 Millionen
im Jahr 1970: 3.700 Millionen
im Jahr 1985: 5.700 Millionen
nach Schätzungen der UN:
im Jahr 2025:  ca. 8.300 Millionen
Wassermenge:
1.400.000.000 km³ = const.

Von diesen Wassermengen entfallen:
Atmosphäre: 13.000 km³
Polar- und Gletschereis: 29.190.000 km³
Grundwasser: 8.595.000 km³
Oberflächenwasser (Flüsse, Seen usw.: 230.000 km³
Ozeane: 1.321.890.000 km³

Grundfläche Deutschland: 356.978 km³
Einwohner (1996): 81.2 Millionen

Der Süßwasserbedarf nimmt rasch zu, wobei 70% - 80% auf die landwirtschaftliche Bewässerung;
weniger als 20% auf die Industrie
und nur 6% auf den häuslichen Wasserverbrauch entfallen.

Laut Schätzung beträgt der weltweite Trinkwasserbedarf von Nutztieren z.Zt. etwa 60 Milliarden Liter pro Tag und wird in absehbarer Zeit um 0,4 Milliarden Liter pro Jahr steigen.
  

Unser blauer Planet:

70 % der Erdoberfläche sind von Wasser bedeckt. Diese Wassermenge schätzt man etwa auf 1.400.000.000 km³.
Auf die Fläche von Deutschland bezogen, d.h. wäre nur die Fläche unserer Bundesrepublik Deutschland mit diesem Wasserbedeckt ergäbe sich ein Block mit einer Höhe von 3.925 km.
Diese Anhäufung von Superlativen gehen an der menschlichen Vorstellungskraft vorbei, erhält aber in Relation zum Bodensee mit seinem Volumen von
50 km³ << 1.400.000.000 km³
ein anderes Gewicht.

Vielleicht sollten wir uns mehr darauf besinnen, die Kostbarkeit des Wassers in Werten zu bemessen, die die begrenzte Weite unsere differenzierter einengen.

Mit den insgesamt 230.000 km³ Süßwasser stehen den auf unsere Erde zu Lande lebenden Lebewesen, den Pflanzen und den Tieren, uns Menschen dabei eingeschlossen nur das 176.500 -fache Volumen des Bodensees zur Verfügung.

Bedeckt man nun Deutschland mit diesem Wasser, beträgt die Vergleichs - Blockhöhe nur noch 644 m,
bezogen auf die gesamte Erdoberfläche lediglich nur 45 cm.

 

Tipps zum Wassersparen:
Umweltbundesamt: "Wasser ist... zum sparen da!
Berlin 1996

Ministerium für Umwelt und Verkehr Baden - Württemberg: "Wassersparen" 
Stuttgart 1996

Bayerisches Landesamt für Wasserwirtschaft: "Wassersparen"
München 1991

1.) Hahn schließen:
2x täglich 3 Minuten Zähne putzen bei laufendem Hahn kostet eine vierköpfige Familie 370 .- DM im Jahr.
2.) Spartaste beim WC benutzen:
die vierköpfige Familie spart bis zu 330.- DM im Jahr.
3.) Toilettenspülung prüfen:
Prüfen Sie die Dichtung Ihres Spülkastens.
Bei undichtem Spülkasten laufen 20 l/h; 40 l/Tag; 17.500 l/Jahr Trinkwasser ungenutzt weg, das kostet Sie 1.200 .- DM im Jahr.
4.) Dichtung erneuern:
Halten Sie einen tropfenden Wasserhahn nicht für nebensächlich:
pro Sekunde 1 Tropfen bedeutet pro Stunde bereits 0,7 l vergeudetes Trinkwasser,
d.h. pro Jahr ca. 6.000 l;
das kostet Sie bei einem Wasserhahn 42.- DM pro Jahr.

Das Umweltbundesamt weist darauf hin:
"Etwa ein Drittel des Frischwasserverbrauchs der privaten Haushalte rauscht durch die Toiletten. Durch wassersparende Spülkästen oder Druckspüler kann der tägliche Wasserverbrauch in diesem Bereich nahezu halbiert werden."

Bayerisches Landesamt:
kann uneingeschränkt empfohlen werden:
1.) Änderung des Verbraucherverhaltens

- tropfende Wasserhähnen / Armaturen  reparieren
- volle Geräteauslastung von Wasch-/ Geschirrspülmaschinen
2.) Einsatz wassersparender Armaturen, Geräte
- 6 l - Spülkasten mit Unterbrechertaste und abgestimmten WC - Becken
-
Einhebelmischarmatur / Thermostatarmaturen
- Durchflußbegrenzer
- wassersparende Wasch- und Geschirrspülmaschine usw.
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.) Regenwassernutzung zur Gartenbewässerung
- Regentonne
-
Regenwasserbehälter mit Pumpe zur Zapfstelle (diese absichern - Kindersicherung - und kennzeichnen mit dem Symbol "Kein Trinkwasser"

Weitere Maßnahmen zum Wassersparen bergen gesundheitliche Risiken:
  
hygienische Risiken:
 
1.) Regenwassernutzung im Wohn- und Sanitärbereich
- für Toilettenspülung
- für Wäschewaschen
hohes hygienische Risiko im Wohn- und Sanitärbereich
2.) Grauwassernutzung im Wohn- und Sanitärbereich
- für Toilettenspülung

Sanierung von Kanalschäden
mit Kurzschläuchen (Partliner)
Literatur: Roland Kammerer;
Frankfurt a.M.
Literaturhinweis:
KA Wasserwirtschaft Abwasser Abfall (ATV) 01/2002
  

Einsatzbereiche:
Muffenversatz
bis max. Rohrwandstärke
axiale Lageabweichungen
undichte Rohrverbindungen
Wurzeleinwuchs
Querrisse und örtlich begrenzte Längsrisse
Verschließen nicht mehr benötigter Anschlüsse
Scherbenbildung
(soweit die Tragfähigkeit nicht eingeschränkt erscheint)

Kriterien:
  

Bestimmungen der DIN EN 752-11 (Entwässerungssysteme außerhalb von Gebäuden), mit der Forderung, dass an sanierte Kanäle die gleichen Bedingungen wie an neue Kanäle zu stellen sind, können beim Reparaturverfahren mit Kurzschläuchen nicht eingehalten werden. Es handelt sich hierbei um eine Reparatur mit befristeter Nutzungsdauer, die primär auf die Abdichtung einer Schadstelle zieht. Die kann nicht den Anspruch erheben, die Tragfähigkeit eines schadhaften Rohres noch die Nutzungsdauer eines neuwertigen Kanals erreichen zu können.
In der DIN EN 13380 (Allgemeine Anforderungen an Bauteile für die Renovation und die Reparatur von Abwasserleitungen und -kanäle außerhalb von Gebäuden - Entwurf Januar 1999) sind allgemeine Anforderungen an Bauteile für die Renovierung und die Reparatur von Abwasserkanäle enthalten.

In „Zulassungsgrundsätze für die Sanierung von erdverlegten Abwasserleitungen der Grundstücksentwässerung“ - Entwurf November 1994 - (Deutsches Institut für Bautechnik) sind die wichtigsten Prüfungen und Anforderungen an sanierte Abwasserleitungen aufgeführt. Es handelt sich hierbei um die Prüfung der Flächenhaftung, der Dichtheit, der Steifigkeit und Verformbarkeit, der Wandrauheit, des Widerstandes gegen chemischen Angriff und der Abriebfestigkeit. Keine Anforderungen sind dort für die Widerstandsfestigkeit gegen die Hochdruckreinigung gestellt.

In den beiden Merkblättern des Rohrleitungssanierungsverbandes (RSV) „Renovierung von drucklosen Abwasserkanälen und Rohrleitungen mit vor Ort härtenden Schlauchrelining; Anforderungen, Gütesicherung und Prüfung“ und „Renovierung von Abwasserleitungen und -kanälen mit Rohren mit thermoplastischen Kunststoffen durch Reliningverfahren ohne Ringraum; Anforderungen, Gütesicherung und Prüfung“ werden Eignungsnachweise beschrieben die neben der Ermittlung der maßgebenden statischen Kennwerte auch die Prüfung der Dichtheit, der Abriebfestigkeit und der Widerstandsfestigkeit gegenüber der Hochdruckreinigung nennen.

Qualitätssicherung bei der Bauausführung:
  
Beauftragung von fachkundigen Unternehmen, die im Besitz eines verfahrenbezogenen Gütezeichens sind.
  
Spezifizierung der Materialien (Produktenbezeichnungen und - eigenschaften, Kennzeichnung)

  
Verarbeitungshinweise wie z.B. Stärke der Schläuche, Harzmenge beim Tränken, zulässige Umgebungsverhältnisse, Einbau- und Aushärtungszeiten.
  
Intensive Überwachung der Arbeiten durch den Auftraggeber.
  

Fazit:
Die Sanierung mit Kurzschläuchen ist nur bei ausreichender Tragfähigkeit des geschädigten Kanals möglich.

Das Verfahren eignet sich nicht zur Wiederherstellung der Standsicherheit des Kanals.

Einsatz in Beton- und Steinzeugkanälen mit kreisförmigem Querschnitt in den Nennweitenbereichen DN 200 bis DN 800. Bei größeren Nennweiten kann eine fachgerechter Einbau nicht mehr gewährleistet werden.

Kurzschläuche in Eiprofilquerschnitten sind nur bedingt möglich. Ausreichende Praxiserfahrungen liegen jedoch hierzu noch nicht vor.

Konsequenzen für die Ausschreibung von Kanalsanierungsmaßnahmen mit Kurzschläuchen:
  
Kanalreinigung vor der Verklebung der Kurzschläuche, neben Grundreinigung eine Sielhautreinigung mit einer Rotationsdüse unmittelbar vor dem Einbau des Kurzschlauches.
  
Nach der Reinigung ist bis zur Positionierung des Packers in der oberhalb liegenden Haltung eine Wasserhaltung mit einer Absperrblase auszuführen um eine erneute Verschmutzung der Schadstelle durch nachlaufendes Abwasser zu vermeiden.
  
Einsatz von Durchlasspackern um Positionierung bis zum Ablauf der Aushärtungszeit Abwasserabfluss gewährleisten zu können, zur Vermeidung aufwendiger Wasserhaltungsmaßnahmen.
   
Aufgrund fraglicher Versuche für aufgeraute bzw. vollständig entfernter Glasur bei Steinzeugrohren wird keine mechanische Vorbehandlung gefordert.
  
Bieter müssen mit der Abgabe von Angeboten alle Prüfungszeugnisse als Auskunft über die Werkstoffkennwerte vorlegen.
  
Da noch keine genormten Vorgaben existieren werden, um den Wettbewerb offen zu gestalten, noch keine Mindestwerte verbindlich gefordert.
  
Im Rahmen der Aufklärung des Angebotsinhalts nach § 24 Abs. 1 VOB / A wird gegebenenfalls in Zweifelsfällen ein Bietergespräch zur Erläuterung nicht ausreichender Materialnachweise geführt.
  
Bei der Angebotswertung und Auftragsvergabe ist der Vorzug einer Ausführungsqualität vor vermeintlichen Preisvorteilen zu geben.
  
Der Dokumentation ist große Bedeutung zu zumessen. Jeder Zeit soll möglich sein, nachzuvollziehen, in welchen Haltungen an welchen Stellen Kurzschläuche eingebaut worden sind.
  
Vorgabe der Form und Inhalt von Sanierungsberichten, als erweiterte TV - Haltungsberichte, in denen die genaue Stationierung und Länge der eingebauten Kurzschläuche vermerkt sind.
  
Vorbereitung zur Erstellung von Übersichtsplänen.
  
Vor Ablauf der Gewährleistungsfrist (5 Jahre) erfolgen Stichprobenartig erneute Kontrollen durch TV - Befahrung.

Jürgen Büschenfeld
"Flüsse und Kloaken"
(Umweltfragen im Zeitalter der Industrialisierung 1870 - 1918)
 
Gewässerverschmutzung ist heute weniger ein Thema von Spitzenbelastungen aus unvorhersehbaren "Störfällen", vielmehr hat sich aktueller Gewässerschutz mit dem Normalfall einer kontinuierlichen Belastung im Rahmen staatlich tolerierter und sanktionierter Verschmutzungsgrenzen auseinander zusetzen. Während der letzten Jahrzehnte haben sich Schwermetalle, chlorierte Kohlenwasserstoffe, Mineralöle, Säuren und Salze, aber auch Pestizide und Nitrate zu gängigen Parametern der Wasseranalytik entwickelt. Die öffentliche Diskussion unterstreicht die Ambivalenz einer industriellen Produktion, hinter deren breiter Produktpalette verstärkt die ökologischen Folgekosten deutlich werden. Industrielle Produktions- und Entsorgungsmethoden sind längst auch zu Synonymen für eine der "Risikogesellschaft" immanente, kontinuierliche Gewässerbelastung geworden. [...] Mit den Erkenntnissen der Naturwissenschaften und modernster Methoden der Klärtechnik ist es dem Umweltschutz in der Praxis nicht gelungen, kommunale und industrielle Abwässer von umweltbelasteten Schadstoffen zu befreien.
Dabei haben Naturwissenschaft und Technik den gesellschaftlichen Modernisierungsprozess nachhaltig geprägt. Sie waren über Generationen die Garanten für Fortschrittsoptimismus und scheinbar grenzenloses Wachstum.
  

Mit den deutlich sichtbaren Zeichen umweltbelastender Negativfolgen menschlichen Handelns für Naturprozesse lassen modernisierungstheoretische Grundannahmen von der Geschichte als dauerhaft fortsetzungsfähigem Entwicklungsprozess nach den Gesetzen des Fortschritts verschwimmen.
Während noch in den 1979er Jahren in der "wachsenden Herrschaft des Menschen über seine natürliche und soziale Umwelt" der "Hauptgewinn des Modernisierungsprozesses" gesehen wurde, so stellen die Negativfolgen der Modernisierung in bezug zur Natur und Umwelt heute mit Nachdruck die Frage nach der "Richtung des Fortschreitens". Längst warnen nicht mehr nur Außenseiter vor eine "schleichenden" Vergiftung" und einer Toxischen Gesamtsituation, deren Gefahren sich in Grenzwerten und Höchstmengen nur unzureichend widerspiegeln.
Die Gewässerökologie formuliert den Anspruch, dass es an der Zeit sei, ihre Interessen im Spannungsfeld vielfältiger Nutzungsansprüche "kompromisslos in den Vordergrund" zu stellen.

Reiner Ehret (Vorsitzender des LNV)
"Der Landesnaturschutzverband im Spannungsfeld der Interessen"
Ansprache anlässlich der Jahreshauptversammlung des Landesfischereiverbandes Südwürttemberg-Hohenzollern e.V. im März 2001
 
"Der Naturschutz, der Schutz der Basis alles Lebendigen also ist nicht in gleichem Maße [Anm. wie Umweltschutz] politikfähig geworden. Umweltschutz passt offenbar besser in eine Welt, die von Technokraten, Machbarkeitspragmatikern und nicht zuletzt einer starken Wirtschaftslobby bestimmt wird. Luftreinhaltung und Gewässersanierung leuchten jedem ein! Die Libellen in den Flußauen, der Ruf des Pirols, die Schönheit eines Frauenschuh oder der Eisvogel haben dagegen allenfalls einen Stellenwert in den Roten Listen. Man kann deren Wert nicht in DM beziffern.
Das aber bedeutet, dass Tiere und Pflanzen den Milliardeninteressen der Gesellschaft nicht standhalten können, es sei denn es gelänge dem Naturschutz endlich politikfähig zu machen.
Den Jahren der Diagnose am kranken Körper Natur müssen jetzt die Jahrzehnte der Therapie folgen. Die Therapie muss dort ansetzen, wo die größten Versäumnisse liegen, nämlich bei der Sicherung der Basis alles Lebendigen, also bei der Natur, in der wir Menschen nur eine Art sind, die sich in das unabdingbare Netzwerk der Natur bescheidener als bisher einordnen sollte. [...]
Der LNV sucht deshalb auch gemeinsames Handeln mit den Landesfischereiverbänden für eine Renaturierung unserer Fließgewässer, für die Verbesserung der Wasserqualität, wir treten gemeinsam mit dem LFV ein für eine weitere Reduzierung der Einträge von Nährstoffen, Nitraten und Phosphaten aus der derzeit so schrecklich ausgebeutelten Landwirtschaft und für die Sicherung und Verbesserung der Lebensräume seltener Fischarten.
Wir sind auf Ihrer Seite, wenn Sie die Durchlässigkeit der Fließgewässer fordern angesichts einer Renaissance von Wasserkraftwerken, wie wir sie derzeit erleben.[...] Naturschutz kann heute nicht mehr isoliert vom Umweltschutz betrieben werden..."
Die Forelle
 - Ein Schlüsselorganismus für lebendige Bäche
Literaturhinweis:
"Lebendige Bäche und Flüsse"

Bent Lauge Madsen & Ludwig Tent
Forellen und andere Salmoniden sind ein charakteristischer Bestandteil von Fließgewässern.
Eine individuenstarke, aus mehreren Jahrgängen aufgebaute Forellenpopulation zeigt einen guten Gewässerzustand an.
  
  

  

 
Neue Laichplätze und was dabei zu beachten ist:
Neue Laichplätze werden aus einer Mischung von Kies (z.B. 16/32 mm) und Geröll angelegt, deren Abmessungen ausreichendes Durchfließen sauerstoffhaltigen Wassers sicherstellen, da die Eier über mehrere Monate eine kontinuierliche Sauerstoffzufuhr und eine Ableitung von Abfallprodukten benötigen.

Je mehr Verstecke ein Bach aufweist, desto mehr Forellen können überleben!

Forderung an das Kiesbett des Laichplatzes:
Das Material des Gewässergrundes wird von der Strömung zweimal sortiert:
zuerst wenn das Forellenweibchen die Grube gräbt, danach wenn es die Grube in dem die Eier abgelegt worden sind zudeckt. Da die Feinpartikel fortgewaschen werden, sind im Nest weniger Feinpartikel zu finden als im übrigen Gewässerbett.
Durch den gereinigten Kies kann das Wasser frei durchfließen und die Eier, und später die geschlüpften Larven, mit Sauerstoff versorgen.
Es ist also wesentlich, dass ein Bach nicht im Übermaß Sand und Feinpartikel transportiert, sonst können diese die offenen Kiesporen verstopfen, mit dem Resultat, dass die Eier oder frisch geschlüpfte Brut ersticken.

Forderung an die Verstecke im Freiwasser:
Kleine Steine, Ästchen und Wasserpflanzen bieten solche Möglichkeiten.

Forderung für neu angelegte Laichplätze:
Neue Laichplätze können angelegt werden, indem Kies- und Geröllbänke in den Bach eingebracht werden. Wichtige Bedingungen dabei sind, dass die Strömung stark genug ist um einen ausreichenden Wasserzufluss zu den Eiern zu gewährleisten, und es dürfen nicht übermäßig Sand und Feinmaterial herangeführt werden. Wesentlich dabei ist auch das geeignete Gefälle und eine ausreichende Länge des Laichbettes.
Das Kiesmaterial soll mehrere Korngrößen aufweisen und im Korndurchmesser so groß sein, dass es bei Hochwässern nicht fortgespült wird.
Unterschiedlich große Kornfraktionen stützen einander ab und geben dem Bett ausreichende Stabilität. 

Sand kann Laichplätze ruinieren:
Es ist sicher zu stellen, dass der Porenraum der Laichplätze nicht durch Sand oder andere Feinpartikel blockiert wird!
Dies zeigt wie wichtig eine Landbewirtschaftung mit Erosionsminimierung im Gewässereinzugsgebiet ist.
Neben einer schonenden Gewässerunterhaltung helfen auch Randstreifen an allen Gewässern den Eintrag aus Flächenerosion zu verhindern.
Sandfallen stellen ein Wanderhindernis für die meisten Gewässerorganismen dar.

 

In vielen Gewässern ist die Anzahl der dort lebenden Forellen weit aus geringer als dies von Natur aus möglich wäre.
Ein wesentlicher Grund für schwache Forellenbestände ist das Fehlen geeigneter Laichplätze.
Hier müssen die Forellen nicht nur ihre Eier ablegen können, sondern die Laichbetten müssen auch geeignet sein, den geschlüpften Fischlarven während der ersten Lebensmonate als Aufenthaltsort zu dienen.
  
  

Die Forellendichte im Gewässer hängt entscheidend von der Zahl der Verstecke und der verfügbaren Nahrung ab.
Ab Spätherbst bis Winter legen die Forellen ihre Eier in Kies- und Geröllbänken ab. Die Jungforellen verbringt die ersten vier Monate im Kies zu. Dies zeigt welch hohe Ansprüche an Bachforellen zu stellen sind, damit sie wieder als naturnah angesehen werden können.
Im Frühjahr verlassen die kleinen Forellen (Brütlinge) den Kies und besiedeln den Gewässergrund.
Hier beginnt der Kampf gegen andere, um sich jeweils eine "Privatsphäre", ein Territorium zu sichern.
Sie versuchen in ihrem Gesichtsfeld keine weiteren Forellen zu dulden, und alle die keinen Versteckplatz finden werden verscheucht und sterben schnell an Hunger und Stress. Brutfische denen es nicht gelingt ein Versteck und einen Standplatz zu finden, sterben schnell.

  
Hier kann man die Bedeutung einer angepassten Landnutzung und erosionsgeschützte Ufer durch ungestörte Verwurzelung erkennen!

  
Verhältnisse an gut ausgeprägten Laichgebieten:
Wassertiefe: 10 bis 20 cm
Mittlere Strömungsgeschwindigkeit liegt bei: 0,5 - 0,7 m/s
(kann aber zwischen 0,3 bis 1,1 m/s schwanken)
Gefälle über die Länge der Laichplätze: 0,2 - 0,7 %.
Laichsubstrat i.M. 25 cm dick, davon sind etwa 70 % des Steinmaterials in der Korngröße zwischen 2 und 63 mm (i.M. ca. 16 mm). Masse des Kieses 10 - 20 mm im Durchmesser.
Mehrzahl der Kiesel: unregelmäßig geformt.
Abstand der Laichplätze: etwa dem 5 - 7 fachen der Bachbreite.

Die besten Laichplätze:
Eine wichtige Größe für geeignete Laichplätze ist das Gefälle:
in kleinen Bächen: J(s) > 0,4 %
in größeren Gewässern: J(s) > 0,15 %.
Die Laichplätze sollten dort angelegt werden, wo das Gefälle am höchsten ist. Je flacher die Strecke, desto größer müssen die Abstände zwischen den Laichplätzen sein, damit der nächst abwärts liegende den darüber nicht überstaut.
Als die besten Laichplätze haben sich die die gesamte Bachbreite abdeckenden Kiesbänke herausgestellt. Bei den seitlich liegenden Steinhaufen bildet sich meist eine daran vorbeifließende Strömungsrinne aus.
  
Die Länge der Laichplätze hat sich als wichtig gegen die Versandung herausgestellt.
Erforderliche Länge bei geeignetem Gefälle:
in kleineren Gewässern: < 4 - 5 m
in größeren Gewässern: 10 - 15 m.
  
Abstand zwischen benachbarten Laichbetten:
in kleineren Gewässern: 1 - 2 fache Länge
in größeren Gewässern: 4 fache Länge.

Gefälle der Laichplatzoberfläche muss in Strömungsrichtung zu groß sein, dass die Strömung ausreichend Energie besitzt um den Sand wegzustrudeln.
Um einen Aufstau zu vermeiden sollte das Gefälle der Wasseroberfläche (Staulinie):
in kleineren Gewässern: 1,0 - 1,2 %
in größeren Gewässern: 0,6 - 1,0 %
sein.

wird laufend in alphabetischer Reihenfolge ergänzt und fortgesetzt...